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Prost, Herr Hauptmann!
Veröffentlicht am 24. November 2009 die Geisterstunde | Geschrieben von KP in SonstigesDionysien und Symposien

Jeder kennt ja den Spruch "Voll wie'n Amtmann", aber wenn man sich mal genauer den Polizeiruf 110 ansieht, denkt man wohl eher an "Voll wie'n Hauptmann".

Obwohl die fromme Volkspolizei in den Polizeirufen bis 1990 nur in Ausnahmefällen mal etwas trinkt, ist der Sprit der heimliche Hauptdarsteller in der Krimireihe. Ich habe in den letzten Jahren nicht eine Folge gesehen, in der nicht mindestens einmal irgendwo eine Pulle zu sehen war. Von den eindeutigen Titeln ab und zu mal abgesehen, die die "Volksdroge Nr. 1" der DDR als Titelthema haben, ist dennoch immer irgendwo Alkohol im Spiel, entweder als Ursache (Saufen, dann Verbrechen) oder Wirkung (Verbrechen begangen, dann einen heben gehen).
Aber einige Folgen stellen den Geist des Weines schon mehr oder weniger selber als eine Art Täter dar: "Unheil aus der Flasche" (von 1987 / Folge 111), "Drei Flaschen Tokaje" (von 1989 / Folge 131), "Der Teufel hat den Schnaps gemacht" (von 1981 / Folge 069) oder "Flüssige Waffe" (von 1988 / Folge 124) beschreiben schon einigermaßen, was man vom Plot erwarten darf.

Im eben auf dem RBB gelaufenen "Das vergessene Labor" (von 1984 / Folge 089) treffen sich zwei Gaunerpärchen nach dem gelungenen Raubzug zu einem orgiastischen Saufgelage. "Wenn die sich wieder zum Saufen treffen, jag ick hier allet in die Luft..." droht der Sohn des einen Pärchens, während er mit einer Ampulle vermeintlichen Nitro-Glyzerins hantiert, die in Wirklichkeit Soman enthält.
Am vergangenen Dienstag in "Die Entdeckung" (von 1980 / Folge 066) feiern die Belegschaft eines Burgmuseums und eines Filmteams angesichts eines Leichenfundes und einer Filmpremiere so ausgelassen in Gegenwart von Leutnant Vera Arndt, dass überhaupt erst nach über einer dreiviertel Stunde Film die erste Rolle wieder fahrtüchtig ist. "Auf den Schreck erstmal'n Harzgeist, Frau Leutnant?"

In den meisten Fällen wird aber nicht einmal auf das Problem des Rausches hingewiesen. In der DDR waren die Fälle klar: Verkommene Subjekte drehen Dinger. Dass das meist unter dem Einfluss von Alkohol geschieht ist irrelevant, weil die Guten / die Beklauten / die Polizei außer Dienst auch gerne mal einen zwitschern.

Ich nehme an, dass in den Polizeirufen, die nach 1990 entstanden sind, nicht mehr in jeder Szene gebechert wird. Aber diese neueren Filme sind auch nicht mehr so interessant. Aber wer sich für die alten Filme interessiert, sollte dringlichst hier mal nachlesen!


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